Zweite Herren: Ein Glücksfall namens Aufstieg!
Was für ein Jahr. Was für ein Finale. Erst eine Woche nach dem letzten Spieltag der Saison 2025/26 erreichte die zweiten Herren der HSG Eagles Niederrhein aus heiterem Himmel (bzw.: vom Verband) die offizielle Bestätigung, dass ihr dritter Regionsliga-Platz in der Abschlusstabelle tatsächlich zum Aufstieg gereicht hat. Damit nisten sich die Adler ab sofort in der höchsten Etage des Handballkreises Krefeld-Grenzland ein, das neue Revier heißt Regionsoberliga!
Platz frei? Wir sind dabei
Wie kam es? Rein technisch betrachtet kam der (erweiterte) Aufstieg nun durch eine günstige Konstellation in den höheren Ligen zustande. Während im Vorjahr zum Beispiel der HSV Wegberg auch auf Rang zwei ins Leere griff, sollte dieses Mal das Gesamt-Gefüge durchlässiger sein. Das sorgte bereits im Bereich Nordrhein für verminderte Abstiegsplätze und führte parallel zu höherer Durchlässigkeit im Doppelkreis Krefeld-Mönchengladbach. Bis in die untersten Klassen hinein mussten unerwartete Aufstiegsfeiern auf die Beine gestellt werden. Ein Luxusproblem.
Die Hinrunde: Gut, aber…
Rein sportlich den Sprung auf das Siegerpodest der Liga überhaupt zu bewältigen, war eine beachtliche Leistung. Neu-Trainer Dennis Kanschat verordnete den Zweiteagles im letzten Sommer eine neue Grundtaktik, die dem mit athletisch starken und schnellen Spielern durchsetzten Kader zu Gute kommen sollte. Die Vorbereitung war intensiv, aber auch lohnend, wie der Coach zusammenfasst:
„Mein persönliches Ziel war es, jeden Spieler individuell stärker zu machen und gleichzeitig die Spielanlage der Mannschaft von Grund auf zu verändern. Dafür haben wir hart gearbeitet. Die Jungs haben verstanden, dass sich der Erfolg nur einstellt, wenn man bereit ist gemeinsam viel zu investieren.“
Das Konzept ging zunächst auf, das Team stolperte aber ab November, gerade gegen die körperlich robusten Regionsoberliga-Absteiger, zu häufig über die eigenen Beine. Nach einem Blitzstart fingen sich die Moerser Adler zwischenzeitig drei Niederlagen in Serie ein, standen im Dezember bei 10:8 Punkten und am Ende einer guten, aber halt leicht wechselhaften Hinrunde mit 16:10 Zählern im langen Schatten der Spitzengruppe.
Ein kleiner Tiefschlag, da die gemeinsamen Ambitionen ja doch höher lagen. Aber die zweite Saisonhälfte sollte anders, besser werden.
Die Rückrunde: Stabil und doch flexibel
Hier kam das Team noch einmal so richtig in einen Lauf, hier rückte die spezielle Mentalität in den Vordergrund. Die Zweiteagles bewiesen jede Woche aufs Neue, dass sie das Bestmögliche aus jedem Spiel herausholen wollten.
Auch wenn die Adler geschwächt in die zweite Halbserie gingen, für Rückraum-Abräumer Fabs Giesen und Kapitän Stefan Kolassa war die Saison im Januar gelaufen, schlichen sie sich mit fünf Siegen in Serie wieder an die Spitzengruppe heran. Lernerfolge auf und neben dem Spielfeld sorgten für die richtigen Ergebnisse, die tiefe Bank konnte kollektiv die entstandenen Lücken füllen, die Metteagles fanden ihren Groove. Wenn die Mannschaft wollte, dann konnte sie auch.
Aber sie konnte halt auch anders. Gegen Oppum und Rheydt folgten zwei hoch unnötige Niederlagen aufeinander, es drohte die erneute Ergebniskrise, in der engen Tabelle winkte der Platz auf der Resterampe.
Der Schreck währte zum Glück nur kurz, das sollten die einzigen beiden Niederlagen der Rückserie bleiben. Rechtzeitig vor Ostern gelang gegen den TV Boisheim der knappe Befreiungsschlag. Der brachte gleichzeitig den nötigen Schwung, den nötigen Motivationsschub für den Endspurt, wie Trainer Dennis erläutert:
„Es ist genau das eingetroffen, was sich jeder Trainer wünscht: aus den Niederlagen wurden Erkenntnisse gewonnen und die Mannschaft hat sich geschlossen aus dem Tal befreit. Dadurch ist uns eine tolle Rückrunde gelungen und wir haben am Ende den längeren Atem bewiesen. Ziel war immer ganz klar eine Treppchen-Position in der Tabelle.“
An den letzten Spieltagen ließen die Eagles noch einmal alles auf der Platte, kamen als einziges Verfolgerteam unbeschadet durch die heiße Phase, wurden Anfang Mai mit einem waschechten Endspiel um den dritten Tabellenplatz belohnt. Und auch wenn die Leistungsträger mit quietschenden Knorpeln aufliefen: der Coup gelang, mit einem 34:31 beim TV 1848 Mönchengladbach krallten sich die Adler den Bronzerang und gesamt 36:16 Punkte. Der Rest war: warten.
Die Summe der einzelnen Teile
Generell war Platz drei am Ende auch realistisch. Die Zweiteagles stellten ein überdurchschnittliches Team, der treffsichersten Offensive der Liga gelangen im Schnitt 34,75 Tore. Spielmacher Lukas erzielte die meisten Treffer gleich selbst (129 an der Zahl), auch Torben knackte mit überragendem Strafwurf-Händchen die 100er-Marke. Die (offensive) Deckung war hingegen nicht immer krisenfest, konnte die meisten Gegner aber zumindest überraschen und schnelle Gegenstöße provozieren. Und im Zweifelsfall haben halt die Keeper Jannik und Jordan auch gerne mal den Tag gerettet, wobei Ersterer eine markant stabile Saison zeigte. Die Spiele(r) waren manchmal unberechenbar und zumeist absolut attraktiv.
Ingesamt zog das Team seine Kraft aber auch aus der geschlossenen Gemeinschaft, die zusammen, gerade in den letzten Wochen der Spielzeit, viele sportliche und emotionale Herausforderungen bewältigen konnte. Da war jetzt nach dem furiosen Finale auch eine Pause dringend vonnöten, ehe in diesen Tagen bereits offiziell die Vorbereitung auf die neue Spielzeit beginnt. Im neuen Revier Regionsoberliga.
Das Fazit gebührt am Ende – Überraschung! – noch einmal dem Cheftrainer:
„Auch wenn noch einige Punkte mehr möglich gewesen wären: Wir haben bewiesen, dass wir auch schwierige Situationen meistern können, selbst langfristige und schmerzhafte Ausfälle wichtiger Spieler haben uns nicht aus dem Konzept gebracht. Wir haben Lösungen gefunden und sind als Team zusammengewachsen.
Aber am wichtigsten ist, dass wir wieder attraktiven Handball in Moers spielen. Die Zuschauer kommen gerne und zahlreicher in die Halle. Die Entwicklung der Mannschaft ist sichtbar. Die Entwicklung jedes einzelnen Spielers ist sichtbar. Darauf bin ich stolz und freue mich auf die nächste Saison mit den Jungs. Unsere gemeinsame Reise geht weiter.“
Die Aufsteiger
Auf der Trainerbank: Dennis Kanschat, Marc Salzsieder
Im Tor: Jannik Kremers, Jordan Tenholt
Auf dem Feld: Alex Friedrich, Helge Gebel, Fabian Giesen, Corvin Gilles, Markus Heinig (Gastspieler), Jonas Jelinek, Kevin Kanschat, Stefan Kolassa, Torben Knobloch, Marcel Kuppert, Moritz Neukamp, Lukas Nürenberg, Kjell Oberneder, Brendan Tenhaken, Phil Volk, Ben Weber, Viktor Wendorff, Marco Werschbröcker
Die gesamten Spielberichte der Saison gibt es hier noch einmal in chronologischer Reihenfolge:
Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 / Teil 5 / Teil 6 / Teil 7
Text: salz
Fotos: Michael Gorke
Montage: Nürenberg



